Leinölfirnis

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Leinölfirnis mit Sikkativ

Was ist Leinölfirnis mit Sikkativ?

Leinölfirnis ist ein reines Leinöl (Lackleinöl), dem Trockenstoffe (Sikkative) zugesetzt werden, damit es schneller aushärtet als unbehandeltes Leinöl. Die Aushärtung erfolgt nicht durch “Verdunsten”, sondern durch Oxidation (Sauerstoffaufnahme) und Vernetzung zu Linoxin. Als Trockenstoffe werden Sikkative auf Basis von Cobalt (Co), Calcium (Ca) und Zirkonium (Zr) eingesetzt. Durch die besonders reine Lackleinöl-Basis wird eine höhere Qualität erreicht, als es die DIN-Norm für herkömmlichen Leinölfirnis fordert.

Begriffe: Reines Leinöl, Leinölfirnis, “maßhaltig” vs. “nicht maßhaltig”

  • Reines Leinöl ohne Sikkative: stark gereinigtes Leinöl (Schleimstoffe/Verunreinigungen entfernt). Ziel: gleichmäßigeres Trocknen, weniger Klebrigkeit. Dieses Öl trocknet sehr langsam und zieht dafür aber tief ein → typische Erstgrundierung auf rohem, saugfähigem Holz.
  • Leinölfirnis (Reines Leinöl mit Sikkativen): trocknet wesentlich schneller → typischer Folge-/Zweitauftrag in der Grundierungskette.
  • Nicht maßhaltige Bauteile (Praxisbegriff): Bauteile, die infolge Feuchtewechsel deutlich quellen/schwinden dürfen bzw. nicht auf enge Passungen angewiesen sind (z. B. Verschalungen, Fassadenbretter, viele Außenholzbauteile).
  • Maßhaltige Bauteile sind hingegen passungs-/funktionskritisch (z. B. Fensterflügel), wo Maßänderungen direkt zu Funktionsproblemen führen.

Besonders helles Leinölfirnis

Das Lackleinöl wurde gebleicht. Dadurch entsteht ein sehr helles Öl, das sich ideal für helle Ölfarben oder zur Imprägnierung von Hölzern eignet, die möglichst hell bleiben sollen. Durch den äußerst geringen Säuregehalt ist das Öl nahezu geruchslos.

Umwelt- und Inhaltsstoffangaben

  • Enthält nur eine technisch notwendige, sehr geringe Menge an Lösungsmitteln.
  • VOC-Gehalt: maximal 30 g/l.
  • Einstufung gemäß Anhang II der ChemVOCFarbV: Kategorie 1d (Holzlacke).
  • Zulässiger Grenzwert: 300 g/l.

Eigenschaften und Grenzen als Holzschutz

  • Wasserabweisend, aber nicht “wasserdicht”. Dauerbelastung (stehendes Wasser, Risse) bleibt kritisch.
  • Zähelastisch und diffusionsfähig (nicht dampfdicht), dadurch oft gut geeignet für historische Substanz und bewegendes Holz.
  • Schichtdicke ist entscheidend: zu dicke Filme schließen an der Oberfläche, darunter bleibt es lange weich → Klebrigkeit/Runzeln/Blasen.
  • Außenbereich: Leinöl-/Firnissysteme brauchen konstruktiven Holzschutz und in der Regel einen pigmentierten Folgeanstrich (UV-Schutz, erhöhte Dauerhaftigkeit). Klarer Firnis allein ist im ungeschützten Außenbereich meist nicht ausreichend.
  • Nach vollständiger Trocknung ist Leinölfirnis wasserunlöslich. Es kann jedoch auch nach Jahren durch Wasser leicht quellen (mögliche Wasserflecken). Im trockenen Zustand ist es nicht mehr mit Lösungsmitteln löslich.

Einsatzbereiche

  • Grundierung für Holz im Außenbereich.
  • Imprägnierung und Alleinanstrich im Innenbereich oder im geschützten Außenbereich.
  • Bei Bedarf verdünnbar (Balsamterpentinöl oder Citrusterpene), um ein tieferes Eindringen zu ermöglichen.

Typischer Systemaufbau

Kombination “Reines Leinöl” + “Leinölfirnis”

  • Reines Leinöl: tief einziehende Erstgrundierung auf rohem, saugfähigem Holz.
  • Leinölfirnis: schnelltrocknender Folgeauftrag (“zweite Grundierung”). Die Kombination aus reinem Leinöl und Leinölfirnis gilt als bewährte und hochwertige Holzgrundierung für alle nicht maßhaltigen Bauteile.

Wichtiger Trocknungs-Hinweis

Leinöl dehnt sich in der ersten Phase der Trocknung aus und zieht sich anschließend wieder zusammen. Erst nach vollständiger Durchtrocknung weiterbeschichten. Die Zeit hängt von Witterung, Temperatur und der aufgenommenen Ölmenge ab.

Verarbeitung - Außenbereich

  • Holz im Außenbereich mehrfach streichen, bis kein Öl mehr aufgenommen wird.
  • Überschüssiges Öl nach ca. 1 Stunde mit Lappen oder Pinsel entfernen, da sonst Runzeln entstehen können.
  • Geringe Luftfeuchtigkeit und Sonnenlicht beschleunigen die Oxidation und damit die Trocknung.
  • Zur Trocknung: Bei etwa 25 °C und Sonnenschein ist die Oberfläche am nächsten Tag staubtrocken.

Verarbeitung - Innenbereich

  • Holz im Innenbereich nur dünn mit einem fusselfreien Lappen einreiben.
  • Dicke Schichten verlängern die Trocknungszeit erheblich und verstärken die Geruchsentwicklung.

Trocknung, Durchhärtung, Geruch

  • Leinöl-/Firnissysteme härten oxidativ aus; Wärme, Licht (UV) und Luftwechsel beschleunigen.
  • Je nach Verarbeitungsbedingungen (niedrige Temperaturen, wenig UV-Licht, hohe Luftfeuchtigkeit, dicke Schichten oder ungleichmäßiger Auftrag) kann der typische Eigengeruch länger anhalten.
  • In kühlen, feuchten und dunklen Räumen trocknet Leinöl sehr langsam; Wärme, Licht und frische Luft sind entscheidend.
  • In Innenräumen: regelmäßig gut lüften.

Typische Fehlerbilder und Ursachen

  • Klebrige/glänzende Stellen: zu viel Material, Überschuss nicht abgenommen.
  • Runzeln/Falten: Ölfilm stehen gelassen und zu früh überarbeitet; Oberfläche zieht zu, darunter bleibt es weich.
  • Sehr lange Trocknung/Geruch: zu kalt, zu feucht, zu dicke Schichten, wenig Luftwechsel/Licht.
  • Ungleichmäßiges Bild/Flecken: unterschiedliche Saugfähigkeit (uneinheitlicher Schliff), Harzstellen, Altbeschichtungsreste.

Verbrauch

  • Verbrauch pro Anstrich: ca. 0,05-0,10 l/m² (untergrundabhängig).
  • Faustwert: 1 Liter für ca. 5-10 m² (stark abhängig von Holzart, Schliff, Saugfähigkeit und Auftragstechnik). Hinweis: Exakte Mengen am Objekt ermitteln.

Sicherheit, Lagerung, Entsorgung

VORSICHT: Selbstentzündungsgefahr! Mit Leinöl getränkte Lappen, Putz- oder Schleifmaterialien können sich selbst entzünden. Diese Materialien unter Aufsicht ausgebreitet trocknen lassen oder kontrolliert verbrennen.

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